Unter DDR-Literatur versteht man Literatur, die in der Deutschen Demokratischen Republik entstanden ist. Für den Deutschunterricht sind besonders die 1970er und 1980er Jahre wichtig, weil sich in dieser Zeit die Spannung zwischen staatlicher Kontrolle und literarischer Kritik deutlich zuspitzte: Einerseits öffnete die Kulturpolitik unter Erich Honecker anfangs einzelne Freiräume, andererseits wurden kritische Autorinnen und Autoren stärker überwacht, bestraft oder zur Selbstbeschränkung gedrängt. Gerade deshalb entstanden Texte, die den Alltag, die Konflikte zwischen Individuum und Staat, den Umgang mit Geschichte und die Grenzen der Sprache besonders deutlich zeigen.
Die folgende Ausarbeitung erklärt die literarische Entwicklung verständlich und schulgeeignet: Sie ordnet die Epoche historisch ein, erläutert typische Merkmale, stellt Epik, Lyrik und Dramatik vor, porträtiert wichtige Autorinnen und Autoren und bietet zusätzlich ein Quiz, kreative Aufgaben, eine Referatsgliederung und ein kurzes Handout. Die Auswahl der Beispiele orientiert sich an deutschsprachigen, seriösen Bildungseinrichtungen, vor allem an bpb, LeMO und der Bundesstiftung Aufarbeitung.
DDR-Literatur meint nicht nur „Staatsliteratur“, sondern die gesamte literarische Produktion in der DDR zwischen 1949 und 1990. Der Begriff umfasst also offizielle, staatlich geförderte Texte ebenso wie kritische, experimentelle und teilweise verbotene Literatur. Für die 1970er und 1980er Jahre ist besonders wichtig, dass sich die Literatur immer stärker von der früheren, stärker normierten Linie des sozialistischen Realismus entfernte und neue Formen der Gesellschaftskritik entwickelte.
Die Phase ist literaturgeschichtlich so bedeutend, weil viele Texte die Widersprüche des DDR-Alltags sichtbar machen: private Wünsche, politische Anpassung, Überwachung, Sprachlosigkeit und die Suche nach innerer Wahrheit. Die Literatur wurde dadurch weniger zu einer bloßen Bestätigung des Systems und stärker zu einem Ort kritischer Beobachtung. In den 1980er Jahren zeigen sich außerdem Pluralisierung, experimentellere Formen und eine stärkere Öffnung zur Weltliteratur.

Abbildung 1: Vereinfachte Zeitachse mit wichtigen Stationen von der Kulturpolitik der späten 1950er Jahre bis zum Umbruch 1989. Sie macht sichtbar, wie eng literarische Entwicklung und politische Ereignisse miteinander verbunden waren.
In der DDR bestimmte die SED die kulturellen Leitlinien. Literatur sollte nicht nur schön oder unterhaltend sein, sondern eine politische und pädagogische Funktion erfüllen. Der offiziell geforderte sozialistische Realismus verlangte, dass Texte parteilich, wahr im Sinne des Marxismus-Leninismus, auf den Sozialismus ausgerichtet, allgemein verständlich und optimistisch sein sollten. Damit wurde Literatur zu einem Instrument staatlicher Ideologie.
Ein wichtiges Vorläufermodell war der Bitterfelder Weg von 1959. Hier forderte Walter Ulbricht, Kunst und Produktion enger zu verbinden: Schriftsteller sollten in Betriebe gehen, Arbeiter sollten selbst schreiben, und Literatur sollte den Arbeiter ins Zentrum rücken. Diese Linie prägte die ältere DDR-Literatur stark und förderte Texte, die den sozialistischen Alltag zwar teilweise kritisch, aber grundsätzlich systembejahend darstellten.
Die DDR besaß keine immer offen sichtbare Vorzensur wie in manchen anderen Diktaturen, aber sie kontrollierte Literatur auf vielen Ebenen: über Verlage, Genehmigungen, Verbote, Parteidisziplin, Drucklizenzen, öffentliche Kritik und strafrechtlichen Druck. Autorinnen und Autoren mussten mit Streichungen, Zurückweisungen, Auftrittsverboten oder dem „Verschwinden in der Schublade“ rechnen. Zusätzlich wirkte die Stasi durch Überwachung und informelle Mitarbeit, wodurch Selbstzensur gefördert wurde.
Gerade in den 1970er und 1980er Jahren wurde das Verhältnis zwischen Schriftstellern und Staat immer konfliktreicher. Manche Texte konnten nur in Westdeutschland erscheinen, andere wurden vorab stark überarbeitet, wieder andere blieben lange unveröffentlicht. Diese Lage führte dazu, dass viele Autorinnen und Autoren indirekter schrieben: mit Andeutungen, Symbolen, historischen Stoffen, Mythen, Montage, Ironie oder gebrochenen Erzählformen.
Die Ausbürgerung Wolf Biermanns am 16. November 1976 war ein kulturpolitischer Wendepunkt. Biermann war ein regimekritischer Liedermacher, der in der DDR schon seit Jahren unter Publikations- und Auftrittsverboten litt. Nach einem Auftritt in Köln entzog ihm das SED-Politbüro die DDR-Staatsbürgerschaft und ließ seine Rückkehr nicht mehr zu.
Die Reaktion vieler Intellektueller zeigte, wie tief der Einschnitt war. Am 17. November 1976 protestierten zwölf prominente Schriftstellerinnen und Schriftsteller, darunter Christa Wolf, Stefan Heym, Sarah Kirsch, Heiner Müller und weitere, mit einem offenen Brief gegen die Ausbürgerung. Die Affäre zerstörte bei vielen die Hoffnung auf eine offene Reform des Systems und verschärfte das Misstrauen zwischen Staat und Kulturszene. In der Folge verließen zahlreiche Künstlerinnen und Künstler die DDR oder wurden weiter unter Druck gesetzt.
Die DDR-Literatur der 1970er und 1980er Jahre ist durch Kritik, Ambivalenz und Vielstimmigkeit geprägt. Typisch sind Themen wie Entfremdung, Bürokratie, Anpassungsdruck, Überwachung, persönliche Selbstsuche, Erinnerung an den Nationalsozialismus, der Umgang mit der eigenen DDR-Vergangenheit sowie die Spannung zwischen privatem Leben und politischem System.
Auch sprachlich verändert sich viel. Statt eindeutiger, optimistischer Aufbaugeschichten treten nun häufiger gebrochene Erzählweisen, innerer Monolog, Montage, Mythentexte, ironische Brechung und eine bewusst indirekte Sprache. Gerade diese Formen halfen, Tabus zu umgehen und dennoch Kritik zu formulieren. Die Literatur wird damit weniger belehrend und stärker offen, mehrdeutig und psychologisch.
Frühere DDR-Literatur, besonders in den 1950er und frühen 1960er Jahren, stand stärker im Zeichen von Aufbauliteratur, sozialistischem Realismus und dem Bitterfelder Weg. Dort wurde der Sozialismus meist grundsätzlich bestätigt, selbst wenn Konflikte geschildert wurden. In den 1970er und 1980er Jahren dagegen werden die Widersprüche des Systems selbst stärker sichtbar. Der Mensch erscheint häufiger als verletztes, zweifelndes oder gespaltenes Individuum, nicht nur als Vorbild für den sozialistischen Aufbau.
In den 1980er Jahren sprechen Literaturhistoriker zudem von Entgrenzung und Selbstbeschränkung: Einerseits werden Grenzen ästhetisch überschritten und westliche wie internationale Einflüsse stärker aufgenommen, andererseits zwingen politische Bedingungen zu Vorsicht, indirekter Rede und Selbstzensur. Genau diese Spannung macht die Epoche so interessant.
| Aspekt | Frühe DDR-Literatur | DDR-Literatur der 1970er/1980er Jahre |
|---|---|---|
| Grundhaltung | meist systembejahend | häufiger kritisch, zweifelnd, ambivalent |
| Leitbild | sozialistischer Realismus, Arbeiterfigur | Individualität, Entfremdung, Konflikt mit dem Staat |
| Themen | Aufbau, Produktion, Kollektiv | Alltag, Überwachung, Erinnerung, innere Krise |
| Sprache | eher eindeutig, normiert | indirekt, experimentell, ironisch, symbolisch |
| Funktion | Erziehung und Bestätigung | Kritik, Selbstsuche, Gegenwartsanalyse |

Abbildung 2: Auswahl wichtiger Werke der DDR-Literatur als Orientierungshilfe für den Unterricht. Die Grafik zeigt, wie dicht die zentralen Texte zwischen den 1960er und späten 1980er Jahren liegen.
Mit Epik sind erzählende Texte wie Roman, Novelle oder Erzählung gemeint. In der DDR der 1970er und 1980er Jahre sind diese Texte oft besonders stark auf innere Konflikte, gesellschaftliche Spannungen und biografische Selbstprüfung gerichtet. Die Erzählweise ist häufig psychologisch, kritisch und weniger geschlossen als in früheren Jahrzehnten.
Typische Beispiele sind Christa Wolfs Romane Nachdenken über Christa T., Kindheitsmuster und Kassandra, Ulrich Plenzdorfs Die neuen Leiden des jungen W. sowie Christoph Heins Der fremde Freund, Horns Ende und Der Tangospieler. Diese Texte zeigen meist Menschen, die an den Erwartungen der Gesellschaft, an der Vergangenheit oder an sich selbst zerbrechen oder sich neu finden müssen.
Unter Lyrik versteht man Gedichte und sprachlich verdichtete Texte. In der DDR der 1970er und 1980er Jahre sind lyrische Texte oft stärker unmittelbar, politisch, persönlich und sprachkritisch. Ein besonders wichtiger Name ist Wolf Biermann, der als Liedermacher und Poet seine Kritik an der DDR in Lieder, Gedichte und Programme verwandelt hat. Seine Texte verbinden politische Opposition, Ironie, Volksnähe und eine klare, direkte Sprache.
Biermann zeigt außerdem, dass Lyrik in der DDR nicht nur gedruckte Gedichte meint, sondern auch das politische Lied. Gerade in dieser Mischform wurde Sprache zum Mittel des Widerspruchs. Seine Texte standen deshalb für viele nicht nur für Literatur, sondern auch für Haltung.
Zur Dramatik gehören Theaterstücke. In den 1970er und 1980er Jahren wird das DDR-Drama oft experimenteller, offener und stärker symbolisch. Besonders wichtig ist Heiner Müller, dessen Stücke Geschichte nicht einfach nacherzählen, sondern in Fragmenten, Bildern und Montagen verdichten.
Auch Christoph Hein hat bedeutende Dramen geschrieben. Seine Stücke und Prosatexte zeigen alltägliche Machtverhältnisse, soziale Kälte und moralische Konflikte. Damit steht er zwischen erzählender Prosa und Theater und gehört zu den Autorinnen und Autoren, die die DDR-Gesellschaft mit nüchternem Blick beschrieben haben.
Kurzbiografie: Christa Wolf wurde 1929 geboren, studierte Germanistik, trat der SED bei und wurde zu einer der wichtigsten DDR-Schriftstellerinnen. In den 1970er und 1980er Jahren war sie bereits international bekannt und zugleich in der DDR eine zentrale kritische Stimme. Sie protestierte 1976 gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns und wurde für ihre literarischen Arbeiten mehrfach ausgezeichnet.
Bedeutung: Christa Wolf gilt als Autorin, die das Verhältnis von Individuum, Gesellschaft, Erinnerung und weiblicher Erfahrung besonders eindrucksvoll beschrieben hat. Ihre Texte machen sichtbar, wie schwierig es ist, in einem politischen System die eigene Stimme zu behalten.
Wichtige Werke und Themen: Wichtige Texte sind Nachdenken über Christa T., Kindheitsmuster und Kassandra. Themen sind Selbstbehauptung, weibliche Perspektiven, Erinnerung an den Nationalsozialismus, die deutsche Teilung, Friedensfragen und der Konflikt zwischen persönlicher Wahrheit und gesellschaftlichem Druck.
Kurzbiografie: Wolf Biermann wurde 1936 in Hamburg geboren, kam 1953 in die DDR und wurde dort als Liedermacher, Poet und politischer Kritiker bekannt. Bereits seit den 1960er Jahren war er mit Auftritts- und Publikationsverboten konfrontiert. 1976 wurde er nach einem Westauftritt ausgebürgert.
Bedeutung: Biermann steht wie kaum ein anderer für den offenen Konflikt zwischen Künstler und Staat. Seine Ausbürgerung wurde zu einem Symbol dafür, wie wenig Kritik das DDR-System schließlich noch zuließ. Zugleich zeigte seine Wirkung, dass Literatur und Lied in der DDR ein starkes politisches Gewicht hatten.
Wichtige Werke und Themen: Wichtige frühe Titel sind Die Drahtharfe, Mit Marx- und Engelszungen und Chausseestraße 131. Themen sind politische Opposition, Sprachwitz, Selbstironie, Sozialismuskritik, jüdische Erinnerung und die Frage, wie ein Einzelner im Staat seine Würde behält.
Kurzbiografie: Ulrich Plenzdorf wurde 1934 in Berlin geboren, arbeitete später bei DEFA als Szenarist und Dramaturg und gehörte zu den Autoren, die besonders genau auf Jugend, Alltag und gesellschaftliche Spannungen blickten.
Bedeutung: Plenzdorf wurde mit Die neuen Leiden des jungen W. berühmt. Das Stück beziehungsweise die Erzählung wurde in Ost und West zum Erfolg, weil es die Gefühlswelt junger Menschen in der DDR ernst nahm und nicht nur politische Parolen lieferte.
Wichtige Werke und Themen: Besonders wichtig sind Die neuen Leiden des jungen W., Die Legende von Paul und Paula, Insel der Schwäne sowie die späten, kritischeren Stücke. Typische Themen sind Jugendkrise, Generationenkonflikt, Sprache der Jugend, Individualität, Anpassungsdruck und das Verhältnis von DDR-Alltag und persönlichen Träumen.
Kurzbiografie: Heiner Müller wurde 1929 geboren, arbeitete als Dramatiker und Dramaturg und geriet früh mit der Kulturpolitik in Konflikt. Er blieb in der DDR präsent, schrieb aber oft mit großer Distanz zu Ideologie und Parteilinie.
Bedeutung: Müller ist einer der wichtigsten deutschsprachigen Dramatiker des 20. Jahrhunderts. Seine Stücke sind experimentell, historisch dicht und oft radikal pessimistisch. Er zeigt, dass Geschichte nicht geradlinig verläuft, sondern Gewalt, Scheitern und Widersprüche erzeugt.
Wichtige Werke und Themen: Zu den zentralen Texten gehören Die Umsiedlerin / Die Bauern, Germania Tod in Berlin, Hamletmaschine und Der Auftrag. Themen sind Revolution und Gewalt, historische Katastrophen, die Krise politischer Utopien, mythologische und klassische Umdeutungen sowie die Frage, was nach dem Scheitern von Ideologien bleibt.
Kurzbiografie: Christoph Hein wurde 1944 geboren, wuchs als Pfarrerssohn auf, studierte Philosophie und arbeitete später als Dramaturg und freier Autor. Er wurde in der DDR vor allem durch kritische Prosa und Theaterstücke bekannt.
Bedeutung: Hein gilt als nüchterner Beobachter der DDR-Gesellschaft. Seine Texte wirken oft unsentimental, genau und ruhig, zeigen aber gerade dadurch umso deutlicher die Deformationen des Alltags.
Wichtige Werke und Themen: Besonders wichtig sind Der fremde Freund, Horns Ende und Der Tangospieler sowie mehrere Theaterstücke. Hein schreibt über Entfremdung, moralische Unklarheit, emotionale Kälte, beschädigte Biografien und den Preis gesellschaftlicher Anpassung.
| Werk | Autor | Kurzinhalt | Zentrale Themen | Literaturgeschichtliche Bedeutung |
|---|---|---|---|---|
| Der geteilte Himmel | Christa Wolf | Roman über die Erfahrung der deutschen Teilung und persönliche Entscheidungen. | Teilung Deutschlands, Beziehung, Loyalität, Lebenswege. | Früher Schlüsseltext für das DDR-Nachdenken über Deutschland. |
| Nachdenken über Christa T. | Christa Wolf | Erzählt von einer Frau, deren Leben und Selbstsuche im Mittelpunkt stehen. | Selbstbehauptung, Subjektivität, Anpassung, Identität. | Stark diskutierter Text über das Recht auf das eigene Leben. |
| Kindheitsmuster | Christa Wolf | Rückblick auf eine Kindheit im Nationalsozialismus und deren Nachwirkungen. | Erinnerung, Schuld, Vergangenheit, Prägung. | Wichtig für die Aufarbeitung der NS-Vergangenheit in der DDR-Literatur. |
| Kassandra | Christa Wolf | Mythologische Gegenrede: Kassandra erzählt den Untergang aus weiblicher Sicht. | Krieg, Frieden, weibliche Perspektive, Wahrheit. | Zentrale Friedens- und Geschlechterkritik der 1980er Jahre. |
| Die neuen Leiden des jungen W. | Ulrich Plenzdorf | Junger Mensch sucht seinen Weg, fühlt sich eingeengt und erkennt sich in Werther wieder. | Jugend, Sprache, Rebellion, Milieu, Generationenkonflikt. | Kulttext der DDR-Jugendliteratur, sehr wichtig für die 1970er Jahre. |
| Die Legende von Paul und Paula / Die Legende vom Glück ohne Ende | Ulrich Plenzdorf | Liebes- und Milieustoff mit starkem DDR-Alltagsbezug. | Liebe, Alltag, Hoffnung, Wirklichkeit. | Beliebter, generationsübergreifender DDR-Erfolgstitel. |
| Die Drahtharfe | Wolf Biermann | Gedicht- und Liedsammlung mit politischer Zuspitzung. | Kritik, Widerstand, Sprachwitz, Haltung. | Früh wichtiges Beispiel für oppositionelle DDR-Lyrik. |
| Chausseestraße 131 | Wolf Biermann | Lied-/LP-Form als persönliche und politische Stellungnahme. | Opposition, Alltagsbeobachtung, Ironie. | Steht für Liedkunst als politisches Medium. |
| Hamletmaschine | Heiner Müller | Kurzes, stark verdichtetes Theaterstück mit Shakespeare-Bezug und historischer Reflexion. | Geschichte, Gewalt, Revolution, Identitätskrise. | Einer der einflussreichsten dramatischen Texte der Moderne. |
| Der Auftrag | Heiner Müller | Drama über Revolution, Auftrag und enttäuschte Utopien. | Revolution, Scheitern, Weltgeschichte, Kolonialismus. | Zeigt Müllers international-historische Perspektive der 1980er Jahre. |
| Der fremde Freund | Christoph Hein | Erzählung über eine Frau, deren Leben kühl und distanziert wirkt. | Entfremdung, soziale Kälte, Selbstbild, Alltag. | Sehr einflussreicher Text über stille DDR-Kritik. |
| Horns Ende / Der Tangospieler | Christoph Hein | Romane über Erinnerung, Kontrolle und beschädigte Biografien. | Vergangenheit, Anpassung, Konflikt, Moral. | Wichtige Beispiele für die kritische Prosa der späten DDR. |
| Nr. | Frage | A | B | C | Lösung mit kurzer Erklärung |
|---|---|---|---|---|---|
| 1 | Was meint „DDR-Literatur“? | Nur Parteipropaganda | Literatur aus der DDR | Nur verbotene Texte | B – Gemeint ist die gesamte literarische Produktion in der DDR. |
| 2 | Welche Jahre sind hier besonders wichtig? | 1933–1945 | 1949–1990, besonders 1970/80er | 1990–2000 | B – Die DDR bestand 1949 bis 1990; die 1970/80er sind literarisch besonders spannend. |
| 3 | Was verlangte der sozialistische Realismus? | reine Fantasie | parteiliche, optimistische Kunst | nur Naturlyrik | B – Literatur sollte den Sozialismus unterstützen und verständlich sein. |
| 4 | Was war der Bitterfelder Weg? | eine Ausreiseaktion | ein Kulturprogramm von 1959 | ein Theaterfestival | B – Er sollte Kunst und Produktion verbinden. |
| 5 | Was ist typisch für die 1970/80er? | reine Heldenverehrung | Kritik am Alltag der DDR | nur Märchen | B – Viele Texte zeigten Widersprüche des Systems. |
| 6 | Was ist ein wichtiges Thema? | Weltraumfahrt | Konflikt Individuum/Staat | Sportergebnisse | B – Der innere und äußere Druck spielt oft eine große Rolle. |
| 7 | Wer schrieb „Kassandra“? | Christa Wolf | Heiner Müller | Wolf Biermann | A – Der Roman erschien 1983 und ist ein Schlüsseltext. |
| 8 | Worum geht es in „Kassandra“ vor allem? | Fußball | Frieden und weibliche Perspektive | Kriminalfall | B – Wolf verbindet Mythos, Krieg und Frauenperspektive. |
| 9 | Wer wurde 1976 ausgebürgert? | Stefan Heym | Wolf Biermann | Christoph Hein | B – Die Ausbürgerung war ein Kultur-Einschnitt. |
| 10 | Welche Gattung passt besonders zu Biermann? | Lyrik/Lied | Märchen | Sachbuch | A – Biermann ist vor allem als Liedermacher und Poet bekannt. |
| 11 | Wer schrieb „Die neuen Leiden des jungen W.“? | Ulrich Plenzdorf | Heiner Müller | Christa Wolf | A – Plenzdorf machte den Jugendroman zum Kulttext. |
| 12 | Woran erinnert Edgar Wibeau in Plenzdorfs Text? | an Faust | an Werther | an Prometheus | B – Der Text greift Goethe auf und modernisiert ihn. |
| 13 | Wer schrieb „Hamletmaschine“? | Heiner Müller | Wolf Biermann | Christoph Hein | A – Das Stück ist eines der bekanntesten DDR-Avantgarde-Werke. |
| 14 | Was ist an Müllers Drama typisch? | lineare Heldengeschichte | Montage und Mythos | Kinderreim | B – Müller arbeitet mit Verdichtung, Bruch und historischen Bildern. |
| 15 | Wer schrieb „Der fremde Freund“? | Christoph Hein | Christa Wolf | Ulrich Plenzdorf | A – Hein ist ein zentraler Kritiker des DDR-Alltags. |
| 16 | Was ist typisch für Heins Texte? | laute Propaganda | stille, genaue Kritik | Fantasy ohne Bezug | B – Hein beobachtet kühl und präzise. |
| 17 | Warum war die Biermann-Affäre so wichtig? | weil ein Buch ausgezeichnet wurde | weil viele Intellektuelle protestierten | weil Theater geschlossen wurden | B – Der offene Protest zeigte die Krise zwischen Staat und Kulturszene. |
| 18 | Was bedeutet „Selbstbeschränkung“ in der DDR-Literatur? | völlige Freiheit | vorsichtiges Schreiben wegen Druck | Schreiben nur im Ausland | B – Viele Autorinnen und Autoren wichen auf indirekte Formen aus. |
| 19 | Was ist ein typisches Mittel der 1980er DDR-Literatur? | Montage/Andeutung | reine Märchensprache | Reimzwang | A – Indirekte und gebrochene Formen halfen, Kritik auszudrücken. |
| 20 | Welche Aussage passt am besten zur Epoche? | Nur Gehorsam zählt | Literatur fragt nach Wahrheit und Freiheit | Alle Texte sind gleich | B – Viele Werke suchen persönliche Wahrheit gegen politischen Druck. |
| Zeit | Folie | Stichpunkte | Sprechhinweise |
|---|---|---|---|
| 2 Min. | 1. Einstieg | Was ist DDR-Literatur? Warum sind 1970/80er wichtig? | Kurz den Konflikt zwischen Staat und Literatur anreißen. |
| 3 Min. | 2. Historischer Hintergrund | SED, Kulturpolitik, sozialistischer Realismus, Bitterfelder Weg | Erklären, dass Literatur politisch gelenkt werden sollte. |
| 3 Min. | 3. Zensur und Biermann | Überwachung, Verbote, Ausbürgerung 1976 | Die Biermann-Affäre als Wendepunkt betonen. |
| 3 Min. | 4. Typische Merkmale | Kritik, Alltag, Konflikt Individuum/Staat, indirekte Sprache | Beispiele für Andeutungen, Mythen und Montage nennen. |
| 3 Min. | 5. Epik | Christa Wolf, Plenzdorf, Christoph Hein | Zeigen, wie Romane und Erzählungen gesellschaftliche Konflikte darstellen. |
| 2 Min. | 6. Lyrik | Biermann, Lied als Protestform | Das politische Lied als literarische Form hervorheben. |
| 2 Min. | 7. Dramatik | Heiner Müller, Christoph Hein | Auf experimentelle, gebrochene Formen eingehen. |
| 2 Min. | 8. Fazit | Literatur als Spiegel und Kritik der DDR | Kurz zusammenfassen: Kritik, Selbstsuche, Freiheit. |
Tipp für den Vortrag: Auf der Zeitachse zeigen, wie sich die Entwicklung von der staatlich gelenkten Kultur der 1950er/60er Jahre hin zu den kritischen und experimentellen Texten der 1970er/80er Jahre verschiebt.
DDR-Literatur der 1970er/80er Jahre zeigt, wie Schriftstellerinnen und Schriftsteller unter politischem Druck nach Wahrheit, Freiheit und einer eigenen Sprache suchten.
Die DDR-Literatur der 1970er und 1980er Jahre ist vor allem deshalb so wichtig, weil sie nicht einfach „schöne Literatur“ war, sondern ein intensiver Ort der Auseinandersetzung mit Macht, Sprache, Alltag und Wahrheit. Unter den Bedingungen von Kulturpolitik, Zensur und Überwachung entstand eine Literatur, die immer stärker nach dem Platz des Einzelnen im Staat fragte. Die Biermann-Ausbürgerung von 1976 markierte dabei einen besonders deutlichen Einschnitt: Viele Schriftstellerinnen und Schriftsteller erlebten, dass kritische Stimmen nur noch begrenzt geduldet wurden. Gerade daraus erwuchs aber eine bemerkenswerte literarische Vielfalt.
Die wichtigsten Autorinnen und Autoren dieser Phase zeigen unterschiedliche Antworten auf dieselbe Grundfrage: Wie kann man in einem politisch kontrollierten System ehrlich schreiben? Christa Wolf sucht die innere Wahrheit und weibliche Perspektiven, Wolf Biermann widerspricht offen im Lied, Ulrich Plenzdorf bringt Jugend und Alltag in eine neue Sprache, Heiner Müller sprengt die traditionelle Dramenform, und Christoph Hein beobachtet die Gesellschaft mit nüchterner Genauigkeit. Zusammen machen sie sichtbar, warum DDR-Literatur der 1970er und 1980er Jahre ein Kernbereich des Deutschunterrichts ist.
Die DDR-Literatur ist sehr umfangreich; deshalb konnte hier nur eine gut begründete Auswahl zentraler Autorinnen, Autoren und Werke behandelt werden. Außerdem sind die Grenzen zwischen Epik, Lyrik und Dramatik in dieser Epoche oft fließend, weil viele Texte Mischformen nutzen. Die Auswahl richtet sich vor allem nach den in deutschsprachigen Bildungs- und Informationsportalen besonders hervorgehobenen Beispielen.
DDR-Literatur der 1970er und 1980er Jahre ist kritisch, vielstimmig und stark vom Konflikt zwischen Kunst und Staat geprägt. Wichtige Hintergründe sind SED-Kulturpolitik, Zensur und die Biermann-Ausbürgerung von 1976. Zentrale Namen sind Christa Wolf, Wolf Biermann, Ulrich Plenzdorf, Heiner Müller und Christoph Hein. Ihre Texte zeigen Alltag, Anpassungsdruck, Erinnerung, Freiheitssuche und neue literarische Formen.
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